Nutzer1909254 | Wed Feb 08 13:52:09 CET 2017 - Wed Feb 08 13:52:09 CET 2017

Zitat: von CYBERYOGI =CO=Windler
Doch auch wenn man die historische Entstehung des Deutschlandlieds kennt, wirkt das "über alles" heute eher größenwahnsinnig nationalistisch als dass es einer Demokratie angemessen wäre. Andere Hymnen (z.B. Frankreich) sind zwar noch kriegerisch brutaler.

Nationalhymnen stehen auch für die Geschichte einer Nation, das wurde auch zutreffend in den Begründungen zu anderen Nationalhymen-Petitionen geschrieben.

Wollen sie womöglich auch noch die "brutalen" Farben der Deutschen Fange ändern?
Die Geschichte Deutschlands (Deutscher Bund) wurde mit viel Blut in die Geschichtsbücher geschrieben und daran sollten alle Generationen erinnert werden um weiteres Blutvergiessen zu verhindern.

Der Text der ersten Strophe muss im historischen Kontext bei der Entstehung / Vereinigung (Deutscher Bund) verstanden werden, der Text wurde dann allerdings missbraucht und ist daher NICHT Nationalhymne sondern NUR DIE DRITTE Strophe.

Die "Marseillaise" als NATIONALHYMNE - 1792 - ist nochmal gute 100 Jahre älter als das "Lied der Deutschen" 1841 / 1922

der grobe historische Kontext:
(Befreiungskriege / Lützower Jäger / Schwarz Rot Gold / Deutscher Bund / Lied der Deutschen)

-- Schwarz-Rot-Gold (wikipedia) --
Schwarz-Rot-Gold sind nach Art. 22 Abs. 2 des deutschen Grundgesetzes die Farben der Flagge der Bundesrepublik Deutschland.
Die Farben haben ihren Ursprung in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815. Die Urburschenschaft – gegründet 1815 in Jena – führte diese Farben erstmals offiziell und machte sie zu einem Sinnbild für die Einheit des in viele Fürstentümer zersplitterten Deutschen Bundes wie auch für Freiheitsrechte und politische Mitbestimmung. ...
Über die weitergehende Verwendung der Farben berichtet Friedrich Christoph Förster, der Kompaniechef der Eleonore Prochaska, in einem Brief, dass er Anfang April 1813 eine schwarz-rote Fahne mit goldenen Fransen in der Dresdner Werbestube der Lützower Jäger gesehen habe. Dabei dürfte es sich um eine von Berliner Frauen gestiftete Fahne aus roter und schwarzer Seide mit goldenen Fransen und der in Gold gestickten Inschrift „Mit Gott fürs Vaterland“ gehandelt haben. Der König lehnte es jedoch am 8. April 1813 ab, dass das Freikorps unter dieser Fahne in den Kampf zog. Angeblich – wie man in der am Grab Theodor Körners gelegenen Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin erfahren kann – unter dem Wahlspruch Von schwarzer Nacht durch rotes Blut der goldenen Sonne entgegen. ...
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-- Deutscher Bund (wikipedia) --
Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, zu dem sich im Jahr 1815 die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ mit Einschluss des Kaisers von Österreich und der Könige von Preußen, von Dänemark und der Niederlande vereinigt hatten. Dieser Bund existierte von 1815 bis 1866 und hatte zwar bereits bundesstaatliche Züge, da sich ein Recht des Deutschen Bundes entwickelte, das die Gliedstaaten band. Dennoch besaß der Deutsche Bund keine Staatsgewalt, sondern nur eine „völkerrechtsvertraglich vermittelte Vereinskompetenz“ (Michael Kotulla). ...
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-- Lied der Deutschen (wikipedia) --
Das Lied der Deutschen, auch Deutschlandlied genannt, wurde von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf der – seinerzeit britischen – Insel Helgoland gedichtet. ... Die Melodie stammt ursprünglich aus dem 1797 entstandenen Kaiserlied von Joseph Haydn ...
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Am Weimarer Verfassungstag des Jahres 1922, dem 11. August, wurde das Lied der Deutschen vom ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) zur Nationalhymne bestimmt. Zur Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurde nur noch die erste Strophe gesungen, auf die das nationalsozialistische Horst-Wessel-Lied folgte. Nach 1945 kam es zu Diskussionen über die weitere Verwendung des Liedes, bis 1952 ein offizieller Briefwechsel zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler dahingehend entschied, dass Das Lied der Deutschen die Nationalhymne blieb, zu offiziellen Anlässen jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden solle.

Nach der Wiedervereinigung wurde im Jahr 1991 in einem weiteren Briefwechsel zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler die dritte Strophe zur Nationalhymne Deutschlands erklärt. ...
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dagegen Frankreich / Marseillaise

-- Marseillaise (wikipedia) --
Ursprung der Marseillaise
Die Marseillaise wurde von Claude Joseph Rouget de Lisle in der Nacht auf den 26. April 1792 während der Kriegserklärung an Österreich im elsässischen Straßburg verfasst. ...

Nationalhymne in Frankreich
Das Lied erhielt den Namen Marseillaise, weil es von Soldaten aus Marseille beim Einzug in Paris gesungen wurde. Am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne erklärt.
Vorher waren ab 1790 verschiedene Hymnen gespielt worden. Vor 1790 war die Königshymne – der Marche de Henri IV – Frankreichs Nationalhymne. ...
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CYBERYOGI =CO=Windler | Wed Feb 08 06:42:18 CET 2017 - Wed Feb 08 06:42:18 CET 2017

Mir ist die DDR-Hymne deutlich sympathischer als das monströs überhebliche Deutschlandlied.

Höchstens das mit der "Sonne" wirkt ein bischen kindisch kitschig. (Das Symbol ist wohl aus der Bergarbeiter-Kultur historisch bedingt, siehe "Brüder zur Sonne zur Freiheit".) Doch auch wenn man die historische Entstehung des Deutschlandlieds kennt, wirkt das "über alles" heute eher größenwahnsinnig nationalistisch als dass es einer Demokratie angemessen wäre. Andere Hymnen (z.B. Frankreich) sind zwar noch kriegerisch brutaler. Trotzdem stimme ich der Petition zu.


=> Mitzeichnung!

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fghpw | Tue Feb 07 19:14:48 CET 2017 - Tue Feb 07 19:14:48 CET 2017

Vor etwa 27 Jahren hätte ich der Petition zugestimmt, aber nach so langer Zeit erscheint mir ein Wechsel der Nationalhymne irgendwie unsinnig!

Obwohl ich mich selbst als Patriot betrachte, kann ich keine der beiden Hymnen singen!
Die eine durfte ich nicht singen und mit der anderen konnte ich mich nicht identifizieren!

15 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Helmut Krüger | Sat Feb 04 10:21:59 CET 2017 - Sat Feb 04 10:21:59 CET 2017

Zitat: von Ich bin für fleischlose Nahrung


... daß alle die sich über den lobenswerten und absolut friedlichen Text der DDR-Hymne aufregen, mit den Ohren schlackern würden, wenn sie es zu hören bekämen.



gewiss gibt es auch Aufregung und nahezu blinde Ablehnung, ohne etwas zu lesen und zu hören.
Hier in diesem Petitionsforum speist sich jedoch die Ablehnung des Vorschlages weit weniger aus "blinder" Ablehnung, sondern aus der Kenntnis, dass Worte nicht gleich Worte sind.

Wenn Worte und Taten diametral auseinanderfallen, unterhöhlt das die Glaubwürdigkeit immens. Ein Staat, der an jeder zweiten Hauswand in Großbuchstaben von "Frieden" kündet, ist apologetisch, mithin ein Eintrichterungs-Staat. Begriffe, die verwendet werden, dienen eben dieser Eintrichterung. Bei Betriebskampfgruppen und fingierten Handgranaten, die es tatsächlich im Schulunterricht gegeben hat, bei einer Stadtplanung, die offiziell von Aufmärschen, Gedenkkundgebungen und Militärparaden sprach, weshalb die "großen und gewaltigen Plätze" vorzuhalten seien und der Parole "LAGER des Friedens", empfinde ich das Ganze weit mehr als Militarisierung bis in die allerkleinsten Verästelungen hinein denn als Frieden, der dieses Wort auch verdient.

Das hängt mit der Beschwörung zusammen.
Stünde hier in dieser Republik an jeder zweiten Hauswand "Für Frieden und Sicherheit", ich wäre genauso dagegen.

17 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

StefanJ-- | Fri Feb 03 18:32:48 CET 2017 - Fri Feb 03 18:32:48 CET 2017

Zitat: von Nutzer1106666
Ich muss schmunzeln.

Ich eher die Stirn runzeln.

Zitat: von Nutzer1106666
Das Zitat ist gar nicht so nationalistisch wie es klingt und mehr noch seit dem strammen Kaiser- und Vaterland bis grob gesagt zu Bundesrepublik gestempelt wurde.

Gemeint im Text ist mehr ein „mein Deutschland mir über alles“ und lange nicht es über andere Länder zu erheben.

Kontext, Kontext, Kontext, ... Tja, der gute Hoffmann von F. meinte eben Deutschland über alles im Sinne der teutschen Kleinstaaten. Also erst Deutschland, und dann erst
- das Kaisertum Österreich
- Königreich Preußen
- Königreich Bayern
- Königreich Sachsen
- Königreich Hannover
- Königreich Württemberg
- Großherzogtum Baden
- Großherzogtum Hessen
- Großherzogtum Luxemburg
- Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
- Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz
- Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
- das Großherzogtum Oldenburg
- Kurfürstentum Hessen
- Herzogtum Holstein
- das Herzogtum Sachsen-Lauenburg
- usw., usw., usw.

Ja, in der Kleinstaaterei war Deutschland ein Riese ... ;-)

Zitat: von Nutzer1106666
Die Idee an sich ist gut, der Text ist positiver - als wirklich Mittleldeutscher (wenn auch westlich des Eisernen Vorhangs) war es mir selbstverständlich diesen Text näher kennenzulernen (auch die Melodie ist nicht geringzuschätzen); dass die SED den Text verbot verleiht der Petition nur noch mehr Gewicht.


Ich würde jetzt nicht sagen, dass das der Pet mehr Gewicht verleiht, sondern eher weniger. "Auferstanden" hat bei uns (BRD) nie jemand verboten. Oder "Hört die Signale".

15 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer1106666 | Fri Feb 03 15:26:57 CET 2017 - Fri Feb 03 15:26:57 CET 2017

Ich muss schmunzeln.

Das Zitat ist gar nicht so nationalistisch wie es klingt und mehr noch seit dem strammen Kaiser- und Vaterland bis grob gesagt zu Bundesrepublik gestempelt wurde.

Gemeint im Text ist mehr ein „mein Deutschland mir über alles“ und lange nicht es über andere Länder zu erheben.
Ich sehe hierin wie in einigen religiösen Schriften, dass Begriffe, die man offenbar klar und zweifelsfrei im Heute zu verstehen meint, zu Zeiten ihres Niederschreibens und im Zusammenhang eine andere Wertigkeit repräsentierten (die Magd der Bibel z.B. ist zu oft in Wahrheit eine Sklavin).

Die Idee an sich ist gut, der Text ist positiver - als wirklich Mittleldeutscher (wenn auch westlich des Eisernen Vorhangs) war es mir selbstverständlich diesen Text näher kennenzulernen (auch die Melodie ist nicht geringzuschätzen); dass die SED den Text verbot verleiht der Petition nur noch mehr Gewicht.

20 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer1585 | Fri Feb 03 13:09:54 CET 2017 - Fri Feb 03 13:09:54 CET 2017

Zitat: von Ich bin für fleischlose Nahrung
Als schon von Geburt an Bürger der Bundesrepublik habe ich gerade in der BRD (vor der Wiedervereinigung wie auch danach) soviel Unrechterlebt, daß alle die sich über den lobenswerten und absolut friedlichen Text der DDR-Hymne aufregen, mit den Ohren schlackern würden, wenn sie es zu hören bekämen.

Obwohl mir eigentlich "unsere" Nationalhymne wegen des darin enthaltenen übetriebenen "Nationalbewußtseins" (um es mal zu verharmlosen) vollkommen mißfällt ...



Das einzige, was in der Nationalhymne der BRD noch so etwas wie ein "Nationalbewusstsein" erkennen lässt, ist das Wort "Vaterland" - und das kommt auch in der ehemaligen DDR-Hymne vor. Was ist daran übertrieben ? Oder gar an den Worten "Einigkeit" oder "Recht" oder "Freiheit" ?

Und wenn jemand die jetzige BRD-Hymne abschaffen will, weil er in der BRD ach so viel Unrecht erlebt hat, dann ist das ja wohl blanker Zynismus. Zumindest, wenn derjenige die DDR-Hymne so viel besser findet. Weil, bekanntlich war ja die DDR ein lupenreiner Rechtsstaat, gell ?

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StefanJ-- | Thu Feb 02 18:23:50 CET 2017 - Thu Feb 02 18:23:50 CET 2017

Zitat: von T.E.
Das sehe ich genauso. Dass man bei der Behelfslösung mit der dritten Strophe geblieben ist, als man das Land wiedervereinigt hat, kann man eigentlich am besten als feixen des “Siegers“ erklären. Man hätte, alleine schon als Signal, eine Kombination oder eine neue Komposition wählen sollen.

Wie gesagt, einfach mal auf Wiki die Hintergründe nachlesen. Geschieben von einem "Revoluzzer". Lange Zeit im offiziellen Deutschland als "republikanisch", also antimonarchistisch verpönt. Und dann von einer sozialdemokratischen (!) Regierung zur Hymne gemacht.

Zitat: von T.E.
Die Becher-Hymne ist SO viel besser, musikalisch wie im Text, und sie enthält NICHT mit der Melodie eine Erinnerung an die “Gott erhalte Franz den Kaiser“.

Die Becher-Hymne ist ein Plagiat. Man nehme eine UfA-Titelmusik, lasse die Synkopen weg, und viola, eine Hymne. Peter Kreuder hätte sich sicher über die Tantiemen gefreut.

Karl-Theodor musste für eine weit weniger öffentliche Kopie gehen.

Auch pikant, dass die DDR bei einem UfA-Film des Jahrgangs 1939 abgeschrieben hat ... ;-)

Zitat: von T.E.
ch halte dies für eine gute Idee!


Nee, eher für eine schlecht.

Was man machen könnte, wie die Briten. Die spielen oft nur noch "God save the Queen" an, und schenken sich den Rest.

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Der_Max | Thu Feb 02 12:21:08 CET 2017 - Thu Feb 02 12:21:08 CET 2017

Zitat: von Nutzer1909254
(...)die DDR existiert nicht mehr sondern nur noch die BRD, somit auch nur noch die Nationalhymne der BRD, (...)
Die "Deutsche Nationalhymne" ist und bleibt "Das Lied der Deutschen"



Stimmt: In freier Selbstbestimmung ist die DDR der Bundesrepublik Deutschland beigetreten und in ihr aufgegangen. Der Begriff "Wiedervereinigung" trifft es also nicht so ganz richtig, sondern es war ein "Anschluss".

Dass sich damals auch die Chance auf eine neue Nationalhymne ergeben hätte, ist sicherlich richtig, aber Schnee von gestern. Heute fehlt hierzu der Anlass - und auch nur Teile der in sich völlig verlogenen DDR-Hymne zu retten, wäre Geschichtsklitterung.

Mir persönlich gefällt das Deutschlandlied überhaupt nicht - wenn das Pathos aus dem Text trieft, ist das nur peinlich - und verführt irgendwelche Nationalisten zu widerlichen Wortwahlen. Aber der hiesige Vorschlag bringt keine Verbesserung, sondern macht alles noch schlimmer.

13 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer1909254 | Thu Feb 02 12:05:29 CET 2017 - Thu Feb 02 12:05:29 CET 2017

Zitat: von T.E.
Das sehe ich genauso. Dass man bei der Behelfslösung mit der dritten Strophe geblieben ist, als man das Land wiedervereinigt hat, kann man eigentlich am besten als feixen des “Siegers“ erklären.
Es gab keinen Sieger sondern eine total bankrotte DDR.
die DDR existiert nicht mehr sondern nur noch die BRD, somit auch nur noch die Nationalhymne der BRD, deutsche Geldwwährung, deutsches StGB, deutsches GG, ...
Zitat: von T.E.
Man hätte, alleine schon als Signal, eine Kombination oder eine neue Komposition wählen sollen. Die Becher-Hymne ist SO viel besser, musikalisch wie im Text, und sie enthält NICHT mit der Melodie eine Erinnerung an die “Gott erhalte Franz den Kaiser“.

Naja, über Geschmack lässt sich streiten ... aber die DDR existiert nicht mehr.

Eine Nationalhymne und Staatsnamen werden evtl. in Bananenrepubliken ständig gewechselt aber nicht in einem so wichtigen Staat wie Deutschland, egal welche politische Zeiten und welche Staatsgrenzen das in der Geschichte umfasst.
Die "Deutsche Nationalhymne" ist und bleibt "Das Lied der Deutschen"

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