Nutzer3879245 | Tue Nov 26 13:52:29 CET 2019 - Tue Nov 26 13:52:29 CET 2019

Zitat: von EinigkeitRechtundFreiheit
Aber Krieg und Amoklauf nachspielen mit Paintballwaffen... dafür ist Platz in der Gesellschaft ihrer Meinung nach???



Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass es auch einen Diskussionszweig gibt, der sich mit der Auswirkung des Entwurfes auf die Airsoftwaffen befasst.

Wenn ich so darüber nachdenke, so sind mir drei Sportarten/Freizeitbereiche bekannt, die tatsächlich sehr nahe am Gesamtthema liegen. Dabei handelt es sich um das angesprochene Paintball, Airsoft und das manchen vielleicht bekannte Laser Tag.

Wenigstens die ersten beiden sind, wie Jagd und Sportschießen, gesellschaftlich stark umstritten, wie auch das obige Zitat zeigt. Deshalb möchte ich, angeregt durch die Reflektion von EinBürgerdiesesLandes2019 aus meiner eigenen Erfahrung ein paar Anmerkungen hierzu machen.

Ich habe (Jahrgang 1967) zu unterschiedlichen Zeiten alle drei in unterschiedlichem Umfang gespielt. Meinen ersten Kontakt hatte ich mit Paintball. Damals (Ende der 80er Jahre/Anfang der 90er) spielten das Freunde von mir auf amerikanischem Gelände mit überwiegend amerikanischen Mitspielern. Da es sich bei diesen Freunden um erklärte Pazifisten, tw. Kriegsdienstverweigerer handelte, kritisierte ich sie ob dieses "Kriegspiels". Mir wurde widersprochen und ich wurde aufgefordert, es mir doch mal selbst anzuschauen (Vergleiche zu Vorschlägen an anderer Stelle in diesem Forum drängen sich auf....).
Das habe ich getan und siehe da, Paintball war tatsächlich überwiegend ein "Cowboy und Indianer" für Erwachsene. Sogar so weit, dass, als ich das unter Berücksichtigung meiner militärischen Ausbildung bei der Bundeswehr (als Wehrdienstleistender) spielen wollte, im Spiel keine Chance hatte. Unter anderem unsere "Outfits" reflektierten das, zum Beispiel war ein Mitspieler grundsätzlich im Ninja-Kostüm (!) auf dem Platz (wir spielten im Wald), ein anderer trug einen rosa Overall. Fast alle individualisierten sich, so dass wir auf dem Feld uns gut gegenseitig identifizieren konnten. Sicherheit hatte höchste Priorität. Schon damals war Paintball allerdings verrufen und ich kann mich an ein Fernsehteam erinnern, dass eine Doku über Paintball drehte und uns in diesem Rahmen aufforderte, über einen Holzstapel zu springen. Dies wurde von uns abgelehnt, mit dem Hinweis, dass das Verletzungsrisiko dabei zu hoch wäre. Die Gesichter des Teams sprachen Bände, die Doku soll (ich habe sie nicht gesehen) sehr einseitig gewesen sein.
Fazit: Äußerlich sah das ganze sehr martialisch aus (Maskierte mit Waffen), aber in der Realität hatte das mit militärischer Ausbildung eigentlich nichts zu tun.

Airsoft habe ich dann Jahre später (etwa um 2006) ebenfalls eine Weile gespielt. Dieses Spiel war dann bereits weitaus militärischer geprägt, auch was Ausstattung (Airsoftwaffen, Kleidung, Ausrüstung) und Spielweise betraf. Die Einstellung und Intention meiner Mitspieler war aber eigentlich die Gleiche, soweit ich das beurteilen kann - ein Spiel um Spaß zu haben und nicht, paramilitärisch ausgebildet zu werden. In anderen Ländern allerdings nehmen Airsoftspiele durchaus den Charakter militärischer Manöver an, z.T. mit Fahrzeugen und entsprechender Logistik. Das ist aber keine Notwendigkeit, ein amerikanischer Bekannter von mir spielt auch Airsoft in Star Wars-Ausrüstung....

Beide Spiele/Sportarten werden mit Ausrüstung gespielt, die dem WaffG unterliegen, da es sich um Schusswaffen per Definition handelt. Das war in den Anfangsjahren insbesondere bei Paintball ein Problem, da das damals geltende WaffG von 1974 einfach mit diesen Markierern überfordert war. Über die derzeitigen Regelungen kann ich aber nichts sagen.

Laser Tag ist, anders als die beiden zuvor genannten, eigentlich nur kommerziell anzutreffen, i.d.R. in einer Halle und, anders als die andern beiden, auch für Kinder gedacht. Dabei handelt es sich nicht um Schusswaffen, aber man "schießt" aufeinander - das dürfte auch schon bei dem ein oder anderen zu Ablehnung führen. Es ist einfach die moderne Version des Kinderspiels "Cowboy und Indianer".

Und nun kommt die Einschränkung hinsichtlich der beiden ersten Arten: Diese Spiele sind unbedenklich, SO WIE WIR sie damals gespielt haben. Aber gerade bei Paintball gab es schon in den Anfangszeiten rechtsradikale Gruppen, deren Intention eher die einer paramilitärischen Ausbildung war. Solche Gruppen war bei uns unerwünscht, aber es gab sie definitiv, häufig illegal spielend (aber mit legal erworbener Ausrüstung).
Für Airsoft trifft mit Sicherheit das Gleiche zu, da hier der militärische Charakter ohnehin deutlich stärker ausgeprägt ist.

Und daher ist der Vergleich insbesondere zum Sportschießen aus meiner Sicht durchaus passend: Im Prinzip ist die Ausübung dieser Sportarten ungefährlich und ohne Relevanz für etwaige Delikte, dennoch ist eine staatliche Kontrolle sinnvoll und notwendig, um Missbrauch zu vermeiden. Dabei darf aber das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, was dieser WaffG-Entwurf tut.

Für uns alle gilt, und hier will ich den Kreis zu obigem Zitat schließen: Die Toleranz und Objektivität, die wir uns gegenüber erwarten, sollten wir auch gegenüber anderen zeigen.

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EinBürgerdiesesLandes2019 | Mon Nov 25 19:30:54 CET 2019 - Mon Nov 25 19:30:54 CET 2019

Eines habe ich vergessen:

Wir müssen einen Gesetzesentwurf, dessen Verfasser unsere Angst instrumentalisieren und der sein uns versprochenes Ziel nie erreichen kann, verhindern. Sonst sind wir nur noch Spielbälle der Angst.

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EinBürgerdiesesLandes2019 | Mon Nov 25 19:03:29 CET 2019 - Mon Nov 25 19:03:29 CET 2019

Zitat: von EinigkeitRechtundFreiheit
Aber Krieg und Amoklauf nachspielen mit Paintballwaffen... dafür ist Platz in der Gesellschaft ihrer Meinung nach???

Sehr benebelte Argumentation ohne Selbstreflektion.



Ich weiss nicht, ob man das so einfach betrachten kann, daher würde ich gerne ein wenig selbst reflektieren.

Ich bin jetzt über 50. Als ich 8 war haben wir mit Holzstöcken Cowboy und Indianer gespielt, mit 10 hatten wir völlig belanglose aber super spannende Holzarmbrüstchen und haben Weinkorken verschossen. Parallel liefen die Faschingsknarren aller Art, mit Rauch und Puff aber halt ohne dass was raus kam, und ganz München hat im Fasching mitgeballert. Das mit den Geschossen haben wir dann mit 14 erledigt indem wir 1 m lange Plastikrohre und Trockenerbsen in den Mund gepackt haben und voll drauf. Da gingen auch Salven und das hat auf 10m noch deutlich gezogen. Hätten wir mal die Schutzbrillen der heutigen Paintballer gehabt :-). Die Steinschleudern unserer Eltern waren dagegen in den 70ern und 80ern schon tabu und das war auch gut so. So wie es völlig richtig ist, dass die Schusswaffen von uns Sportschützen tabu, sprich sicher versperrt sind.

Keiner von meinen Freunden in der Jugend ist bis heute Amok gelaufen, hat seine Familie geschlagen oder den Staat bedroht. Wir haben für unser Cowboy und Indianer Spiel halt das genommen, was zu bekommen war, aber immer unter dem Aspekt des Spiels. Und es war immer ein Riesenspass.

Heute haben wir virtuelle Welten, Autos die uns erklären was wir zu tun und zu lassen haben und halt auch Paintballpistolen.

So wie Attentate und Amokläufe mit Autos stattfinden und trotzdem das Autofahren per se kein Attentatstraining ist, sollten wir hier nicht einen pauschalen Filter aufsetzen und Paintballspieler diesen Stempel aufdrücken. Wenn wir mit 14 oder 16 damals Paintballwaffen gehabt hätten, Mann was wäre das ein Spass gewesen! Und doch ist bis heute keiner von uns Amok gelaufen, hat seine Familie geschlagen oder den Staat bedroht.

Gewaltbereitschaft ist viel komplexer, findet sich in in der lange entwickelten sozialen Komponente. Wenn ich einen Menschen töten wollte, dann sind das Küchenmesser, der Zündschlüssel oder die 10 cm Distanz zu der Person vor mir, die knapp vor der Bahnsteigkante steht, doch viel präsenter.

Angst habe ich dagegen heute schon.
Angst davor, dass in unserer völlig angstgetriebenen Gesellschaft ein Mitbürger meinen Jungen draussen mit einer Spielzeugpistole sieht.
Angst davor, dass er aus Angst die Polizei ruft.
Angst davor, dass der Polizist die Spielzeugpistole nicht als Spielzeugpistole erkennt und selbst Angst bekommt.
Angst davor, dass ........ .

Wir müssen unsere Angst in den Griff bekommen und nicht immer noch mehr Angstszenarien kultivieren!

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Xevious | Mon Nov 25 18:41:35 CET 2019 - Mon Nov 25 18:41:35 CET 2019

@Nutzer253870

„Schießsport“ ist aktiver Umgang mit Schuss- / Handfeuerwaffen, solche Gegenstände haben in einer friedlebenden Gesellschaft einfach keinen Platz.

Und das bestimmern Sie? Die illegalen Waffen sollten keinen Platz in der Gesellschaft haben, diese bekommt man aber nicht weggezaubert. Und die "bösen Jungs"
haben Waffen um sie gegen Menschen einzusetzen oder warum schaffen sie sich diese wohl an. Zum sportlichen Schiessen wohl kaum.

Ach ja und da Sie ja Paintball gespielt haben, vielleicht mal darüber nachgedacht das man 2009 versucht hat dies nach der Tat eines einzelnen Spinners in Winnenden zu verbieten. Argument war damals man trainiere da ja den bewaffneten Kampf gegen Menschen. Und ja ich habe damals Paintball gespielt kenne den Sport also bestens.

Und Angeln finde ich unnütz. Aber würde ich deswegen sagen das braucht man nicht? Nein denn es ist die persönliche FREIHEIT die wir haben diess zu tun solange es nicht die Freiheit eines Anderen bzw. gegen Gesetze verstößt.

Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave. Aristoteles

Schauen sie sich doch mal in ihrer Umgebung in einem Schießsportverein das Training an. Weilman sollte über ein Thema nur mitreen wenn man auch Kenntnisse zum Thema hat.
Genau das ist es was wir bemängeln da, sitzen Leute im Bundestag und beschließen Gesetze die von der Materie soviel Ahnung haben wie ich vom Angeln, bestimmen aber was richtig und gut ist.

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EinigkeitRechtundFreiheit | Mon Nov 25 15:37:53 CET 2019 - Mon Nov 25 15:37:53 CET 2019

Aber Krieg und Amoklauf nachspielen mit Paintballwaffen... dafür ist Platz in der Gesellschaft ihrer Meinung nach???

Sehr benebelte Argumentation ohne Selbstreflektion.

Bitte nochmal den Text der Petition durchlesen und versuchen Zusammenhänge zu verstehen. Danke.

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Nutzer3874725 | Tue Nov 19 14:15:37 CET 2019 - Tue Nov 19 14:15:37 CET 2019

@Nutzer253870:
Was ist mit Speerwerfen, Bogenschießen, Blasrohr? Auch weg damit? Zudem ist gerade Paintball um einiges agressiver als andere Schießsportarten.Dort schießen Menschen auf Menschen.
Aber wir Sportschützen sind da wohl etwas toleranter und aktzeptieren die Freiräume anderer Menschen.

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gizeh20000 | Tue Nov 19 09:07:32 CET 2019 - Tue Nov 19 09:07:32 CET 2019

So ein Quatsch... ich selbst habe sehr lange aktiv Paintball gespielt, auch hier gibt es entsprechend scharfe Regelungen.

Ich bin Angler - und darf nur zu diesem Zweck ein Einhandmesser führen. „Vergesse“ ich es nach dem Fischen im Auto, fahre ich illegal eine Waffe herum.

„Schießsport“ ist aktiver Umgang mit Schuss- / Handfeuerwaffen, solche Gegenstände haben in einer friedlebenden Gesellschaft einfach keinen Platz.

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