Nutzer6722747 | heute - 10:39

... guter Punkt: Ja, unser System ist zwar nicht völlig ineffizient (schließlich sind Faxgeräte weitgehend abgeschafft, und händische Abrechnungen gibt es auch nicht mehr) - aber es werden drastische Effizienzpotenziale verschenkt. Ich zahle als Niedergelassener zwangsweise rund 750 Euro je Quartal für eine "Telematik-Infrastruktur" und eine mäßig gelungene Software, die quartalsweise kostenpflichtige Updates bekommt - zumeist wird irgendein Button dann anders eingefärbt, oder es gibt irgendeine unnütze Dokumentations-Sonderfunktion, die ich weder nutze noch brauche. Diese Summen kriege ich (großteils) von den gesetzlichen Krankenkassen zurück, d.h. es sind Kosten für das System. Das ist geldmäßig pro Jahr eine komplette Kurzzeittherapie. Sowohl die Softwarepreise als auch die "Telematik-Infrastruktur" (d.h. speziell konfigurierte Modems, die zudem kostenpflichtige Praxis- und Therapeutenausweise brauchen und für 4-stellige Beträge alle 5 Jahre komplett ausgetauscht werden müssen, aufgrund des immensen Wertes eines dort verbauten China-Chips plus Plastikgehäuse) sind Gelddruck-Maschinen für die Handvoll Anbieter, die aufgrund ihrer Kartellabsprachen "rein zufällig" ziemlich genau dieselben Preise verlangen. Deutschland wird hier gnadenlos über den Tisch gezogen. Jedes Quartal neu. Vorschlag: In den kommenden Jahren in staatlicher Hand (z. B. in Zusammenarbeit mit Hochschulen oder IT-Forschungseinrichtungen, ggf. in europäischer Vernetzung - andere Länder haben ähnliche Bedarfe) eine entsprechende schlichte Software und "Telematik-Infrastruktur" jeweils mit Basisfunktionen entwickeln und zu den realen Kosten anbieten, oder aber den bestehenden nicht-staatlichen Anbietern exakt auf die Finger schauen und den realen Preis ihrer Leistungen ermitteln und hieraus eine "Spar-Software" mit den notwendigen Basisfunktionen ableiten - plus 10 oder meinetwegen sogar 15 Prozent Gewinnaufschlag, und sofort sinken die Preise drastisch. Ich schätze - statt 750 Euro pro Quartal nur noch ca. 150 Euro, vielleicht sogar noch weniger (und statt 4.000 für die o.g. IT-China-Box vielleicht 400, bei Server-Lösung sogar noch weniger) - und diese Summen dann mal sämtliche Arzt- und Psychotherapiepraxen in Deutschland. Und Krankenhäuser. Und Apotheken. Und wer sonst noch an dieser unsäglichen IT-Kostenschleuder dranhängt. Das könnte unter dem Stichwort "Bürokratie-Abbau" einen echten Wumms bringen. Ich überschlage: Rund 100.000 Arzt- und Psychotherapiepraxen in Deutschland, ca. 20.000 Apotheken und Krankenhäuser - 120.000-mal 600 Euro sparen pro Quartal macht knapp 300 Millionen pro Jahr. Plus das "Telematik-Box"-Sparpotenzial alle x Jahre. Besser dieses Geld in Menschen (Psychotherapeut/-innen, Ärzt-/innen, Patient/-innen, Softwareentwickler/-innen im staatlichen Auftrag) investieren!

Holgersson76 | gestern - 01:23 (Zuletzt geändert am 17.05.2026 - 07:57 von Holgersson76 )

@K.K.R.
Sehr geehrte(r) K.K.R., mit Interesse und sehr oft Zustimmung wertschätze ich Ihre Beiträge. Allerdings bin ich jetzt nicht bei Ihnen. Wie das Moderatorenteam zu Recht darauf hingewiesen hat, hat jeder in unserem Lande das Recht, seine Meinung frei zu äußern (m.W.n. geregelt in Art. 5 Abs. 1 GG, sowie Grenzen dessen in Art. 5 Abs. 2 GG).
Ihre hinweisende Frage zum "Ignorieren“ heiße ich nicht gut; u.a. könnte ein "bewusstes Ignorieren" ggf. auch als Zustimmung zu einem Beitrag fehlinterpretiert werden. Natürlich kann es auch sein, dass manche Beiträge gar nicht gelesen werden. …. (Ich hoffe, es ist mir gelungen, zum Ausdruck zu bringen, was ich meine ;-).

Ich habe allerdings den Beitrag von Nutzer4902401 | heute - 07:00 (Zuletzt geändert am 16.05.2026 - 07:40 von Nutzer4902401 ) gelesen.

Aus diesem Grunde:

Sehr geehrte(r)
@Nutzer4902401

Zitat: von Nutzer4902401 „...Und Qualitätsmanagement will man auch nicht?“

Meine Ansicht:
Da widerspreche ich Ihnen. Eventuell könnte es sein, dass Sie Nutzer1014045 hier missverstanden haben oder Nutzer1014045 sich in ihrer/seiner Darstellung eventuell für Sie missverständlich ausgedrückt hat. Oder ich etwas missverstanden habe. Keine Ahnung.
Allerdings: Aus meiner Erfahrung und eigenem Erleben heraus nehmen PPT und KJP das Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sehr Ernst. Es geht hierbei nämlich v.a. um die Sicherstellung der Versorgungsqualität der Patienten und Patientinnen. Explizit: Es geht um das Wohl unserer Patienten und Patientinnen. Allerdings habe ich beim Lesen des Beitrags von Nutzer1014045 eine Assoziation zum QS-Verfahren des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) bzgl. amb. PT bekommen. M.W.n. ist dies hoch umstritten aufgrund methodischer und inhaltlicher Mängel sowie eines unausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Von 2025 bis 2030 läuft die Erprobungsphase in der Modellregion NRW. Ich verweise Sie freundlich – bei Interesse - auf eine eigene Recherche (siehe bspw. Deutsches Ärzteblatt, DPTV, etc.pp.).

Weiter:

Zitat (von Nutzer4902401) :
„….Man stört sich daran, dass die ePA der informationellen Selbstbestimmung der Patienten unterliegt? Interessant …“

Meine Bemerkung:
Hoch wahrscheinlich haben Sie hier Nutzer1014045 missverstanden (oder ich Sie?), denn Nutzer1014045 schrieb:

Zitat: „….Wie wenig durchdacht das System auch im Detail ist, zeigt die Erstbefüllungspauschale GOP 01648 (11,34 €): Sie ist sektorenübergreifend nur einmal pro Patient:in abrechenbar – aber weil die ePA patientengeführt ist und Versicherte Einträge verbergen oder löschen können, sehen Folgebehandelnde häufig eine scheinbar leere Akte und rechnen in gutem Glauben erneut ab. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen solche Mehrfachabrechnungen retrospektiv korrigieren, mit Honorarrückforderungen bis zu zwei Jahre rückwirkend. Ein System, das Praxen erst zur Abrechnung veranlasst und ihnen das Geld dann wieder abzieht, ist kein effizientes Anreizdesign – es ist Bürokratieproduktion auf Kosten beider Seiten.“

Die informationelle Selbstbestimmung der Patienten und Patientinnen sehe ich hier nicht als "störend" dargestellt. Die informationelle Selbstbestimmung jedes Einzelnen und jeder Einzelnen ist wichtig (basal wichtig!). Ich habe den Beitrag von Nutzer1014045 so verstanden, dass es da einige Punkte gibt, die bzgl. ePA nicht sehr wirtschaftlich durchdacht wurden.

Sie schreiben allerdings selbst:
Zitat (von Nutzer4902401): "....Dass die ePA eine Totgeburt wird, war von vorneherein klar. "

Okay. Lassen wir das vielleicht einmal so stehen.

Und noch eine Frage an Sie, sehr geehrter Nutzer4902401 (Bezugnehmend auf die von Ihnen zitierte Studie von 1998: Das Gesundheitswesen an der Schwelle zum Jahr 2000, Volker Ulrich, ISSN 1437-6989):

Zitat (von Nutzer4902401): „….Auch damals war es schon so, die Ehrlichen, die sich an die vier Krankenscheine pro Jahr gehalten haben, waren die Dummen, die Anderen liefen damals schon al gusto von Arzt zu Arzt, und sch**ß auf die Regeln, und die dummen Ehrlichen haben das mitbezahlt.“

Meine Frage:
Was meinen Sie mit „...die Ehrlichen, die sich an die vier Krankenscheine pro Jahr gehalten haben“? Okay, ich kenne das Buch und die Studie jetzt nicht.
Allerdings kenne ich das so bzgl. "Krankenschein" (Feststellung der Arbeitsunfähigkeit- AU): Ein Arzt stellt AU fest. Und das kann entweder keinmal, einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal ….etc.pp. im Jahr sein. Es gibt so viele Erkrankungen, die zu AU führen können. Auch innerhalb eines Jahres. Bitte erklären Sie mir, wie Sie das gemeint haben („...die Ehrlichen, die sich an die vier Krankenscheine pro Jahr gehalten haben“). Wer ist mit "die Ehrlichen" gemeint? Was ist mit "...die sich an die vier Krankenscheine pro Jahr gehalten haben" gemeint? Ich verstehe das nicht. Bitte erklären Sie es mir.

MfG

2 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

K.K.R. | 16.05.2026 - 11:44 (Zuletzt geändert am 16.05.2026 - 11:47 von K.K.R. )

@alle Nutzer4902401 hat sich wieder zu Wort gemeldet und wird sich nach meinem Beitrag hier sicher auch wieder zu Wort melden, da er offenbar, obwohl er nicht selbst existenziell von den Sparmaßnahmen betroffen ist, Tag und Nacht auf dieser Seite herumturnt. Ehe jetzt wieder ätzende und seinerseits entwertende Diskussionen stattfinden: was haltet Ihr davon, ihn einfach zu ignorieren? Wir haben seine Botschaft doch längst verstanden: er mag uns nicht, findet Psychotherapie nutzlos und hat kein Interesse an einem sachlichen Austausch! Was auch immer ihn reitet, bleibt nebulös. Mich interessiert es wenig. Euch etwa? In diesem Sinne: genießt die Sonne, sofern ihr das in Zeiten wie diesen noch könnt!

16 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer4902401 | 16.05.2026 - 07:00 (Zuletzt geändert am 16.05.2026 - 07:40 von Nutzer4902401 )

@ Nutzer1014045 | 29.04.2026 - 19:36

Oh je, natürlich, Schuld ist "die Verwaltung" ... wie vorhersagbar.

Also, wir werden in diesem Land keine Reformen mehr hinbekommen. Und ich fürchte, selbst der harte Aufschlag ganz unten wird nichts ändern.

Zitat:
Deutschland leidet im Gesundheitswesen nicht an Ressourcenmangel, ...

Stimmt.

Zitat:
... sondern an einer aufgeblähten Verwaltungsarchitektur.

Stimmt nicht. GKV/SPV Verwaltungskosten unter 4%. Wenn das in anderen Bereichen nur ähnlich wäre ... dabei fällt auf, je größer (!) die Kasse, desto höher in der Regel der Verwaltungsanteil. So viel dann dazu, dass man eine Einheitskasse bräuchte.

Zitat:
... sowie eine Dokumentations- und Nachweispflicht, die in den letzten zwei Jahrzehnten nur in eine Richtung gewachsen ist – nach oben. Jede Stunde, die Therapeut:innen mit Quartalsabrechnungen, sich überlagernden Qualitätsmanagementvorgaben und Formularen verbringen, fehlt in der Behandlung.

Das ist zum großen Teil selbst gewollt und verursacht. Man will sich selber nach allen Seiten absichern.

Wo waren da bei diesen Themen übrigens die Fach- und Berufsverbände? Alleine Wikipedia zählt da alleine für Deutschland 47 Organisationen auf. In Worten: Siebenundvierzig! Von einer
So viel zum Thema einer angeblich "teuren und unnötige Bürokratie bei den Kassen, Bund und Ländern".

Und Qualitätsmanagement will man auch nicht?

Wobei auch das alles keine Alleinstellungsmerkmale der ambulanten Psychotherapeuten sind. Oder der Gesundheitsbranche.

Dass die ePA eine Totgeburt wird, war von vorneherein klar. Hat aber mit dem Thema auch nichts zu tun. Und selbst eine "gut" gemachte EPA würde nichts an den systemischen Problemen des Gesundheitssystems ändern (Anspruchsdenken bei den Leistungsbeziehern, Vollkasko- und Besitzstandsdenken bei den meist "selbständigen" Leistungserbringern).

Man stört sich daran, dass die ePA der informationellen Selbstbestimmung der Patienten unterliegt? Interessant ...

Dass "das System" ohne Überwachung noch gnadenloser geplündert werden würde, sollte auch klar sein. Es ist halt eine Allmende. Aber praktisch alle Versuche zu einer Besserung wurden hintertrieben, negiert, abgeschmettert, unterlaufen, egal ob Krankenschein (ja, ich kann mich sogar an die noch erinnern *), KV-Karte, Praxisgebühr, ... alles hat sich als wirkungslos erwiesen ob der vielen Löffel im Kuchen des Gesundheitswesen. Von 250 Euro pro Versichertem 1980 auf 4.200 Euro heute. Inflationsbereinigt eine Verzehnfachung. Die Lebenserwartung oder das Sterbealter haben sich nicht mal ansatzweise so entwickelt ...

Putzig ist da eine Studie aus 1998 (Das Gesundheitswesen an der Schwelle zum Jahr 2000, Volker Ulrich, ISSN 1437-6989). Die prognostizierte ab 2015 ein Sinken der Ausgaben ... aber da haben die Medizin(er)lobbies einen Riegel vorgeschoben.

* Auch damals war es schon so, die Ehrlichen, die sich an die vier Krankenscheine pro Jahr gehalten haben, waren die Dummen, die Anderen liefen damals schon al gusto von Arzt zu Arzt, und sch**ß auf die Regeln, und die dummen Ehrlichen haben das mitbezahlt. Das hätte man damals schon so machen sollen, dass jeder, der ohne Überweisung vom Hausarzt oder ohne objektiv akut lebensgefährlicher Verletzung oder Erkrankung bei einem anderen Arzt oder im Krankenhaus auftaucht, automatisch und unwiderruflich Privatpatient ist. Die Ärztelandschaft würde ganz anders aussehen ... die Ausgaben auch ...

Nutzer1195512 | 15.05.2026 - 16:38

Super zusammengefaßt! Herzlichen Dank!

4 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Holgersson76 | 13.05.2026 - 20:42 (Zuletzt geändert am 13.05.2026 - 20:54 von Holgersson76 )

@ Nutzer1014045

Vielen Dank für Ihren Beitrag! Ich teile Ihre Meinung.
Ich hätte noch das QS-Verfahren des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) bzgl. amb. PT hinzuzufügen: M.K.n. ist dies weiterhin hoch umstritten aufgrund fachlicher und sachlicher Mängel. M.W.n. wird es auch über Mittel der GKV finanziert.
(Erprobungsphase in der Modellregion NRW)

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K.K.R. | 02.05.2026 - 13:07

Vielen Dank für Ihren fundierten Beitrag, den ich erst jetzt lese...

6 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer1014045 | 30.04.2026 - 08:49

Vielen Dank für die Rückmeldung – das freut mich sehr. Genau das war die Absicht: weg von der Honorardebatte als Symptomschau, hin zu den Stellen, an denen tatsächlich Ressourcen verloren gehen.
Mich würde interessieren, wo Sie aus Ihrer Perspektive die größten Hebel sehen. Bei mir in der Praxis ist es vor allem die Doppelarbeit zwischen Praxisverwaltungssystem, KV-Vorgaben und ePA – jede Schnittstelle erzeugt eigenen Aufwand, ohne dass am Ende ein Mehrwert für die Behandlung entsteht. Andere Kolleg:innen berichten ähnliches aus dem Qualitätsmanagement oder den sich überlagernden Berichtspflichten gegenüber KV, Kasse und G-BA.
Was wäre aus Ihrer Sicht der erste Punkt, an dem man konkret ansetzen müsste – wenn Sie einen einzigen Hebel hätten?

23 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

praxiskg | 30.04.2026 - 07:45

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Beitrag! Sie bringen es sehr genau auf den Punkt und zeigen wunderbar wo tatsächliches Einsparpotential zeitlich und monitär liegt.

17 Personen finden diesen Beitrag hilfreich

Nutzer6746688 | 29.04.2026 - 21:22

Bravo!!!

19 Personen finden diesen Beitrag hilfreich