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Diskussion zur Petition 73900

Suchtgefahren

Legalisierung von Cannabis in Deutschland vom 25.09.2017

Diskussionszweig: Betroffene Hunde Bellen

Bernd_Larsen | 24.11.2017 - 01:57

Betroffene Hunde Bellen

Anzahl der Antworten: 7

Durch die Petition kommen in mir all die Gefühle und Erinnerungen, Tränen und Hassgefühle wieder in den Vordergrund
die ich persönlich mit der Prohibition, also der konsequenten Durchsetzung eines Verbotes mit Hilfe des Strafrechtes, erlebt habe.

Ich bin ein Kind der "Keine Macht den Drogen" Kampagnen der 90er.
Die Suggestion, es gäbe verbotetene Substanzen, deren Gefährlichkeit darin bestehen würde,
nach einem "schwachen Moment" des Probierens, unweigerlich in eine Spirale der Abhängigkeit und dem Verlust von Selbstbestimmung zu gleiten,
diese Vorstellung machte mir Angst und ich klebte als kleiner Steppke Stolz und voller Überzeugung meinen Anti-Drogen Aufkleber an meine Schultasche.
Drogen: Nicht Sichtbar, Abstrakt und irgendwo da draußen in den bösen Winkeln der Welt. Wer mich deswegen belächelte, hatte in meinen naiven Augen einfach schon die Macht verloren.

Auf der Oberstufe wurde ein eigentlich von allen geschätzter und leistungsmäßig erfolgreicher Mitschüler bei der Schulleitung wegen Besitz von Cannabis gemeldet :
Dieser wurde von der Polizei im Klassenzimmer abgeholt, Verhört, dabei weitere "Täter" benannnt und ein darauffolgender Schulverweis folgte.
Gottseidank waren damals Handys noch kein Thema. Der Denunziant bekam ein anerkennendes Lob für seinen "Mut". Alles richtig gemacht.

Ein Umdenken fand erst mit 18 durch einen Auslandsaufenthalt statt. Ich durfte einen Familienvater kennenlernen, welcher statt Alkohol sich eine abendliche Cannabiszigarette ansteckte und zu meinem
Erstaunen locker und offen mit der Thematik umging. Ein Mensch der mitten im Leben steht und alles andere als das erwartete ungepflegte Junkiebild abgab.
Das aufkommende Internetzeitalter bot mir eine Fülle von Informationen über THC, das Wirkungsspektrum, geschichtliches und die realistischen Gefahren.
Gefahren die geradezu lächerlich im Vergleich der etablierten und verharmlosten Volksdrogen stehen.

2012 nach einem unverschuldeten Auffahrunfall mit einem Schleudertrauma entwickelte sich bei mir ein bis heute vorhandenes chronisches HWS-Syndrom mit ständigen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Physiotherapie und konventionelle Schmerzmedikation mit den damit verbunden Nebenwirkungen war die erfolgslose medizinische Antwort.
Auf der Uni hatte ich dann mein Schlüsselerlebnis mit Cannabis welches mein Medikament der Wahl werden sollte.
Entspannung der Muskulator, Schmerzreduktion und Lebensfreude.

Ohne dubiose Bezugsquellen oder der aussichtslosen Beantragung einer Ausnahmegenehmigung beim BfArM, entschied ich mich Jahre später für den Eigenanbau von Cannabis.
Niemand auser meiner Ehefrau, die mich dabei moralisch unterstütze wurde davon in Kenntnis gesetzt.
Meine Berufliche Laufbahn war hervorragend, Kinder und Hausbau war in Planung. Bis auch ich die Auswirkungen des Krieges gegen Drogen, gegen Cannabis erleben durfte.

Mit dem Vorwurf ein legales Beleuchtungsmittel bei einem legalen Shop bestellt zu haben, welches jedoch nach polizeilicher Erkenntnis zum Anbau von Cannabis verwendet werden könnte, wurde meine Wohnung auf den Kopf gestellt.
Man wuste nicht wo, was und wieviel man findet, hatte jedoch einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss der gleichzeitig die Annahme zum Handel beinhaltete. Eingeschüchtert sichtete man persönliche Briefe, begutachtete akribisch
Zimmerpflanzen und schloss mich in meiner eigenen Wohnung ein. Drohungen wurden ausgesprochen und nach freiwilliger Herausgabe meiner Ernte wurde mein Zuhause zum Fotostudio für Polizeiakten.

Wie ein Schwerverbrecher, der ich nach dem Gesetz bin, Abtransportiert, Fingerabdrücke genommen, Verhört, Gedemütigt, Registriert und dann der Ermittlungserfolg an die Staatsawaltschaft weitergereicht.
Bis heute zittere ich wenn die Türglocke abends läutet oder schwarze Autos vor dem Haus parken.
Zur Wiedergutmachung eines abstrakten Schadens an der Volksgesundheit musste ich mit einer Haftstrafe, Strafzahlung und "Zwangsarbeit bezahlen".


Mit den Folgen als Vorbestrafter habe ich mich abgefunden, mit dem psychischen Trauma werde ich alleine gelassen und kann es wohl erst adäquat aufarbeiten wenn ein normaler Umgang mit Cannabis möglich ist.

Persönliche Folgen:

-Posttraumatische Belasstungsstörung welche von Kassenärzten medikamentös (mit körperlich abhängig machenden Drogen!) interverniert wird > Finanzielle Kosten trägt die Gesellschaft
-Horrende Summen für Anwalt und Gerichtskosten
-Berufliche Ziele als Beamter unmöglich mit Vorstrafe
-Tätigkeitsausschluss in der Jugendarbeit
-Kaputter Lebenslauf welcher nur durch Lügen kaschiert werden kann (Damoklesschwert Führungszeugnis)
-Mobilität durch Führerscheinentzug auf ein minimum reduziert
-Familiäre Strukturen zerstört
-Vertrauen in Polizeiarbeit und Staat erschüttert




Schluss mit Krimi !
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