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Diskussion zur Petition 174895

Sucht und Drogen

Beibehaltung und Weiterentwicklung der Entkriminalisierung von Cannabis vom 14.11.2024

Diskussionszweig: Entkriminalisierung von Cannabis stellt eine große Verbesserung dar und beendet jahrzehntelange Ungerechtigkeit

nofakenewstoday | 07.01.2025 - 21:47

Entkriminalisierung von Cannabis stellt eine große Verbesserung dar und beendet jahrzehntelange Ungerechtigkeit

Anzahl der Antworten: 2

Die (in meinen Augen längst überfällige) Entkriminalisierung von Cannabis hat im Laufe des letzten Jahres doch vor allem eines gezeigt:
nein, die Welt geht nicht unter und die Jugend ist nicht stärker gefährdet, als dies zuvor der Fall war. Und ja, die (durch die Verbotspolitik überhaupt erst entstandene!) Kriminalität geht dank Eigenanbau und straffreien Besitz kleinerer Mengen sehr wohl zurück, auch wenn dies im Zuge einer echten Legalisierung mit Fachgeschäften und ohne Behinderung der CSCs natürlich noch sehr viel ausgeprägter der Fall wäre.

Wenn konservative Politiker "keine Verbesserung durch das Gesetz" sehen, dann deshalb, weil sie sich offenbar nicht vorstellen können, dass auch Menschen, die die seit Jahrzehnten aus politischen Gründen verteufelte Droge Cannabis konsumieren, ernstzunehmende und schützenswerte Bürger dieses Landes sind, die vor der Entkriminalisierung schlichtweg zu Kriminellen erklärt wurden und in unzähligen Fällen um ihren Arbeitsplatz, ihren Führerschein und ihren persönlichen Ruf fürchten mussten (und leider teilweise nach wie vor müssen). Für all diese Millionen von Menschen, die zwar vielleicht eine Minderheit, aber keine kleine Minderheit in der deutschen Bevölkerung darstellen mögen, hat die Entkriminalisierung sehr wohl eine große Erleichterung mit sich gebracht - denn schließlich möchte niemand als kriminell gelten, der niemals etwas Verwerfliches getan und niemandem Schaden zugefügt hat.

Persönlich habe ich Cannabis, wohlgemerkt trotz Verbot und Aufwachsen in der ländlichen Provinz, als Jugendlicher und Student für mich entdeckt, weil ich die Wirkung viel angenehmer fand und auch sehr viel besser vertragen habe, als wenn ich Alkohol getrunken habe. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums und zunehmender Verantwortung nach Berufseinstieg und Familiengründung habe ich den Konsum aber vor vielen Jahren komplett eingestellt, weil es mir den Stress und die ständige Angst vor Entdeckung und Strafverfolgung nicht wert war (wobei ich übrigens bis heute geblieben bin).

Da es mir aber, wie sicherlich vielen Menschen, schwerfiel, gänzlich auf Drogen zur gelegentlichen Entspannung zu verzichten habe ich nun nach Feierabend häufiger Bier oder Wein getrunken - und im Laufe der Jahre festgestellt, dass der Alkohol zwar gesellschaftlich akzeptiert, aber mit Sicherheit die härtere, für den Körper schädlichere und wahrscheinlich auch tückischere Substanz mit dem größeren Suchtpotenzial ist. Damit handle ich zwar brav im Sinne des bisherigen Gesetzgebers (und der mächtigen Alkohollobby...), habe eine weiße Weste und brauche keine Angst vor Verfolgung haben - bin aber in meiner Freiheit eingeschränkt, kann mich nicht frei entfalten und füge meinem Körper größeren Schaden zu, als ich eigentlich will.

Anders als konservative Politiker es gerne darstellen war nicht die Entkriminalisierung ein von linker Ideologie getriebenes Projekt der Ampel-Regierung, sondern vielmehr ein dringend nötiger Befreiungsschlag gegen die jahrzehntelange Verfolgung unschuldiger Bürger aus sachlich nicht haltbaren, ideologisch motivierten Gründen. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Cannabis (und Drogenpolitik generell) auf wissenschaftlicher Basis und unter Berücksichtigung der Eigenverantwortung jedes Menschen für den eigenen Körper diskutiert wird, ohne Kulturkampf (und derzeit Wahlkampf) auf dem Rücken der Konsumenten zu betreiben.
- ein seriöser Bürger dieses Landes, der seinen Teil zum Bruttosozialprodukt dieses Landes beiträgt -
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