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Diskussion zur Petition 180180

Vermögensteuer

Vermögenssteuer auf alle Vermögensarten vom 09.04.2025

Diskussionszweig: Niemand wird allein reich – und deshalb ist Umverteilung kein moralisches Problem, sondern eine Frage der Gerechtigkeit

Nm19k1k1 | 06.08.2025 - 13:09

Niemand wird allein reich – und deshalb ist Umverteilung kein moralisches Problem, sondern eine Frage der Gerechtigkeit

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In der öffentlichen Debatte wird Reichtum oft als Ergebnis individueller Leistung dargestellt. Doch diese Vorstellung hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Niemand wird allein überreich.

Ein einfaches Gedankenexperiment macht das deutlich:
Man nehme einen Multimillionär oder Milliardär – und versetze ihn allein auf eine einsame Insel. Er behält all seine Talente, Fähigkeiten und seinen Ehrgeiz. Doch wie reich kann er dort werden? Ganz offensichtlich: nicht besonders reich. Denn Reichtum entsteht immer nur in sozialen Kontexten. Ein Unternehmer braucht Kunden, Mitarbeiter, Manager, Lieferketten – kurz: eine funktionierende Gesellschaft, damit sein Unternehmen überhaupt existieren kann.

Diese soziale Bedingtheit von Reichtum hat der amerikanische Politikwissenschaftler und Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert A. Simon besonders klar formuliert.
Er schätzte, dass in hochentwickelten Ländern wie den USA oder denen Nordwesteuropas mindestens 90 % des Einkommens auf kollektiven gesellschaftlichen Strukturen (Soziales Kapital) beruhen – also auf Dingen wie staatlicher Infrastruktur, Bildungssystem, Rechtssicherheit, Technologie und gesellschaftlichem Vertrauen¹. Für Simon war das ein starkes Argument für ein bedingungsloses Grundeinkommen, das allen Menschen zusteht, weil der Reichtum, den einige Wenige anhäufen, zu einem überwältigenden Teil auf dem Beitrag vieler beruht.

¹ Simon, H. A. (1998). Giving altruism its due: A response to economic imperialism. Journal of Economic Perspectives, 12(2), 151–156.
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