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Petition 84584

Arbeitsrecht

Abschaffung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung/Einführung eines Pilotprojektes nach dem Vorbild Norwegens vom 08.10.2018

Text der Petition

Mit der Petition wird die Abschaffung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bzw. Einführung eines Pilotprojektes nach dem Vorbild Norwegen gefordert.

Begründung

Die AUs fressen zu viel Zeit

Es möchte ja keiner als Drückeberger dastehen, deswegen kommen die meisten schon am ersten Arbeitstag, vorgeschrieben ist die AU spätestens ab dem dritten Krankheitstag (Stichwort „Präsentismus“). Da aber laut Gesetz auch für die Bescheinigung eine ärztliche Untersuchung notwendig ist, muss ich diese Patienten alle selbst untersuchen, damit ich das Formular ausstellen kann (Nachzulesen unter §4 Absatz 1 der Arbeitsunfähigkeitsrichtlinie).

Das Problem damit: Gerade in einer heftigen Erkältungssaison fehlt so die Zeit für die Patienten, die einen wirklich brauchen, weil der „Papierkram“ gemacht werden muss. Auch die Diskussionen über die Dauer der AU sind Zeitfresser: Viele wollen eine Krankschreibung für „höchstens drei Tage“, aber auch bei der Verlängerung wird wieder eine erneute ärztliche Untersuchung fällig.

AU als Forschungsgegenstand

Mit dem Problem der AUs hat sich auch schon die Forschung beschäftigt. 2015 wurde in mehreren Zeitungen über eine Magdeburger Forschungsgruppe berichtet, die deutsche Krankschreibungen und Arztkontakte mit Norwegen verglichen hat und aufgrund der erhobenen Daten und der guten Erfahrungen aus Norwegen Pilotprojekte anregte, bei denen sich Mitarbeiter bis zu eine Woche selbst krankmelden durften.

Die Zeitung Die Welt berichtete: In Norwegen sind die Regeln lockerer. So ist es grundsätzlich erlaubt, sich für bis zu drei Tage am Stück ohne ärztliche Bescheinigung selbst krankzumelden. In einem Großteil der norwegischen Unternehmen ist die eigenständige Krankmeldung sogar bei Ausfällen von bis zu acht Tagen am Stück und höchstens 24 Tagen im Jahr zulässig. Und das Besondere: In Norwegen ist die Zahl der Fehltage seit Jahren rückläufig.

Leider habe ich nie von einem solchen Pilotprojekt gehört, dabei fände ich das eine super Idee – gerade hier auf dem Land, wo wir sowieso oft zu wenig Ärzte für zuviele Patienten sind.

Daher mein großer Wunsch an die Politik: Bitte den General-Drückeberger-Verdacht gegen die Arbeitnehmer bzw. Patienten mal soweit beiseite schieben, dass solche Pilotprojekte mit einer Woche „Eigenkrankmeldung“ (gern auch mit der Einschränkung bis max. 24 Tage im Jahr) möglich werden. Dann könnte man aufgrund dieser Daten entscheiden, ob ein solches Modell nicht deutschlandweit sinnvoll wäre. Damit wir Ärzte wieder Zeit für die Patienten haben, die uns brauchen und nicht andauernd im „Papierstau“ hängen!

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