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Diskussion zur Petition 98780

Kassenarztrecht

Keine zentrale Datenspeicherung sämtlicher Patientendaten/Anschluss von Arzt- und Psychotherapiepraxen an die Telematik-Infrastruktur (TI) nur auf freiwilliger Basis vom 02.09.2019

Diskussionszweig: Hacker-Ziel #1

Nutzer4026598 | 23.12.2019 - 10:03 (Zuletzt geändert am 23.12.2019 - 10:09 von Nutzer4026598 )

Hacker-Ziel #1

Anzahl der Antworten: 5

Als Software-Entwickler habe ich jahrelang in einem mittelständischen, internationalen Unternehmen im Bereich business-to-business online Shops gearbeitet. Dort haben wir PRO TAG 800 Hackerangriffe erhalten und 400 davon waren automatisiert. Das war im Jahre 2016.
Heute dürfte sich das um ein vielfaches gesteigert haben.

Mit einer zentralen Speicherung der Gesundheitsdaten liegt im Prinzip eine permanente, extrem attraktive Stelle zum Hacken und Informationsdiebstahl vor. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass selbst heute noch, wo eine Krankmeldung legitim ist und es niemanden etwas angeht, warum man krankgeschrieben ist, eine enorme Skepsis bei Chefs und Kollegen vorliegt, ob denn das mit dem Kollegen/Kollegin "alles so stimmt".
Ergo, die Vertraulichkeitsstufe einer solchen Information ist ungebrochen.

Das gilt insbesondere, wenn sich Versicherungen und Arbeitgeber dafür interessieren, wie aktuelle, oder potentielle Arbeitnehmer gesundheitlich in der Vergangenheit "geschlagen" haben. In manchem Betrieben gibt es mittlerweile Prämien für Null-Krankheitstage. Bei meinem Arbeitgeber ist das z. B. so. Auch der Arbeitgeber hat aufgrund der Lohnfortzahlungen ein Interesse daran zu erfahren, wie es gesundheitlich um seinen Arbeitnehmer steht.

Gerade bei Versicherungen finde ich immer wieder unglaublich vielschichtige Verzweigungen über den Datenaustausch/Handel zu anderen Unternehmen (in den AGBs beschrieben). Bis hin zur Unkenntlichkeit, bei der der Anwender völlig im Dunkeln darüber gelassen wird, wo seine "harmlosen" Informationen landen und wie man diese, zu welchem Zwecke verarbeitet.
Unser Konzern hat angeblich Zugriff auf Facebook-Daten (was offziell abgestritten wird, aber eine Praktikantin ge-leakt hat). Eine solche Schnittstelle ist technisch kein Problem und sogar für Privatpersonen möglich.
Was ich damit sagen will ist, dass Firmen ganz bewusst Grauzonen, oder auch nicht-Bekanntes ausnutzen, um an so viele Informationen wie möglich über ihre Arbeitnehmer/Kunden zu erlangen. Das ist bei weitem nicht alles legal, und wenn man selbst den Schaden erstmal hat, dauert es mitunter Jahre, bis sich über den Rechtsweg etwas getan hat. Hier wäre es dann eine DVD, etc. vom Schwarzmarkt, in die man mal reinschaut um zu sehen, was vorliegt und wie weit das für das Unternehmen in Bezug auf Leistungsbeurteilung oder Einschätzung von ggf. weiteren Ausfällen, von nutzen ist.

In der Zeit während ein Gerichtsverfahren läuft, können die eigenen Daten schon längst unendlich weit in den Schwarzmarkt vorgedrungen sein, und werden auch nicht "vergessen", wie es immer so schön heißt. Dass der Bürger davon erfährt, ist unwahrscheinlich.

Aus diesem Grunde, würde ein zentraler Speicherort für alle Gesundheitsdaten ein unglaublich attraktives Ziel für Hacker darstellen.
Als Software-Ingenieur gebe ich Ihnen Brief und Siegel darauf, dass dieses Ziel rund um die Uhr, permanent von sämtlichen Hackergruppen attackiert würde. Solange, bis der Durchbruch gelingt. Dann heisst es Datenverlust.
Wenn das Leck geschlossen wird, gehen die Hacker erneut auf Suche und werden irgendwann wieder erfolgreich sein.

Jeder IT-ler weiß, dass es keine 100 prozentige Sicherheit gibt.
Und deshalb ist eine zentrale Speicherung der dümmste Schritt den wir als Gesellschaft gehen können.
Es müssen anderen Lösungen her, die das prompte Abgreifen der gesamten Gesundheitsdaten eines Patienten verhindern.
Man spricht hierbei auch von de-zentraler Speicherung, bei der dann die Gesamtheit der Informationen an vielen unabhängige Orten als Teil-Information abgelegt wird.

Es gibt mit Sicherheit weitere, viel bessere technische Lösungsmöglichkeiten, als diese Idee.
Deshalb kann ich nur dafür werben, dass Sie mit Unterzeichnung dieser Petition auch für ein Überdenken und eine andere Lösung stimmen.
"Empören Sie sich" !
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