Text der Petition
Mit der Petition "Stuttgarter Erklärung" vom 25.07.2022 fordern 19 erstunterzeichnende aktive Professorinnen und Professoren deutscher Universitäten, vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Energiekrise sowie der vom IPCC und der EU als CO2-arm und nachhaltig eingestuften Kernenergie, die sofortige Aufhebung der Atomausstiegs-Paragraphen (Insbesondere § 7 Atomgesetz) und eine Prüfung der sicherheitstechnischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen.
Begründung
Stuttgarter Erklärung vom 25. Juli 2022
Mit einseitiger Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas wurde Deutschland in Energienot manövriert. Steigende Energiepreise und sinkende Versorgungssicherheit gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Das Festhalten am deutschen Atomausstieg verschärft diese Gefahren und bremst – zusammen mit anhaltender Kohleverstromung – den internationalen Klimaschutz. Der Weltklimarat IPCC bezeichnet die Kernenergie als ein Instrument des Klimaschutzes. Die Europäische Union ordnet Kernenergie als nachhaltige Energiequelle ein. Auf dieser Grundlage plädieren wir für den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke als dritte Klimaschutzsäule neben Sonne und Wind. Wir fordern die sofortige Aufhebung der Atomausstiegs-Paragraphen (insbesondere § 7 Atomgesetz) und eine Prüfung der sicherheitstechnischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen.
Erstunterzeichner:
Prof. Dr. André D. Thess , Universität Stuttgart
Prof. Dr. Harald Schwarz, BTU Cottbus-Senftenberg
Prof. Dr. Michael Beckmann, TU Dresden
Prof. Dr. Burak Atakan, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Alexander Dilger, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Francesca di Mare, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Kerstin Eckert, TU Dresden
Prof. Dr. Sabine Enders, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Martina Hentschel, TU Chemnitz
Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Antonio Hurtado, TU Dresden
Prof. Dr. Matthias Kind, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Marco Koch, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Andrea Luke, Universität Kassel
Prof. Dr. Frank R. Schilling, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Klaus Steigleder, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Robert Stieglitz, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Gerhard Wegner, Universität Erfurt
Prof. Dr. Thomas Wetzel, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Was wir aber in Deutschland (noch) haben, sind bewährte Kernreaktoren in den existierenden Kernkraftwerken, jene 3 KKW, die noch am Netz sind (Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland) und jene 3 Anlagen, die erst Ende vergangenen Jahres abgeschaltet wurden (Brokdorf, Grohn-de, Gundremmingen C). Deutschland betreibt anerkanntermaßen die sichersten KKW weltweit, die regelmäßig Spitzenplätze in der Energieerzeugung aller mehr als 400 Kraftwerksreaktoren aller Länder einnehmen (bzw. eingenommen haben).
In den 90-er Jahren produzierten die 19 KKW in Deutschland ca. 1/3 des benötigten Stromes unseres Landes (z.B. 1997: 170 von insgesamt 552 TWh), klimafreundlich ohne CO2-Emissionen im Betrieb, und das kontinuierlich mit hoher Versorgungssicherheit über das ganze Jahr, im Sommer wie im Winter, tags wie nachts (Verfügbarkeit die höchste aller Energielieferanten, z.B. 2011 mit 87 %, d.h. konkret 7640 Volllaststunden von 8760 Std/a), mit vergleichsweise geringen Brennstoffmengen wegen der extrem hohen Energiedichte des verwendeten Urans (rund 10 Millionen (!) mal höher als bei fossilen Energieträgern, d.h. ca. 200 MeV Energiefreisetzung pro Kernspaltung gegenüber ca. 30 eV pro Reaktion bei Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl oder Gas) und damit vergleichsweise wenig (wenn auch hoch radioaktiven) Abfalls. Insbesondere für die Grundlast, dem unverzichtbaren Sockel unserer Energieversorgung, bedeutet das: 2008 lieferten die deutschen KKW mit 48 % fast die Hälfte, auch 2018 mit nur noch 6 KKW immerhin noch 32 %, fast 1/3!
Der auf der Erde ausreichend vorhandene Rohstoff Uran ist sinnvollerweise (d.h. für friedliche Zwecke) nur zur Kernenergieerzeugung in KKW einsetzbar und schont mit seiner Verwendung andere Resourcen, die vorzugsweise besser genutzt werden können als sie einfach zu verbrennen. Das alles sind Fakten!
Und darauf will Deutschland im Zuge der Energiewende verzichten mit den Folgen, denen wir jetzt ausgesetzt sind, d.h. Verlust an Versorgungssicherheit und hohe Kosten? Es ist doch merkwürdig, dass gegenwärtig 33 Länder weltweit (die es sich wirtschaftlich leisten können) 437 KKW betreiben und keines dem deutschen Ausstiegsbeschluss folgt. Im Gegenteil sind (nach Angaben der IAEA) gegenwärtig 56 KKW in 19 Ländern weltweit in Errichtung, allein 2021 sind 6 KKW in China und je eines in Indien, der Türkei und in Russland neu in Betrieb gegangen. Sind wir tatsächlich klüger als der Rest der Welt? Eine gewagte These!
Oder, weniger ernst formuliert entsprechend dem alten Kalauer über den Geisterfahrer auf der Autobahn: Was? EIN Geisterfahrer soll hier unterwegs sein? So ein Quatsch! Mir kommen HUNDERTE entgegen!