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Diskussion zur Petition 153198

Erziehungsgeld/Elterngeld

Unveränderte Beibehaltung der Einkommensgrenze nach § 1 Absatz 8 des Bundeselterngeldgesetzes vom 03.07.2023

Diskussionszweig: Die Einkommensgrenze ist willkürlich, unbegründet und realititätsfern.

Nutzer5883453 | 15.07.2023 - 20:06 (Zuletzt geändert am 16.07.2023 - 17:30 von Nutzer5883453 )

Die Einkommensgrenze ist willkürlich, unbegründet und realititätsfern.

Anzahl der Antworten: 5

Die Senkung der Einkommensgrenze für den Bezug von Elterngeld ist willkürlich gesetzt, nicht begründbar und realtitätsfern. Das Median Einstiegsgehalt promovierter Chemiker lag 2021 in der chemischen Industrie in Deutschland bei ca. 80k EUR brutto laut GDCh/VAA Umfrage. Mein Partner und ich haben 8 bzw. 10 Jahre an der Uni studiert und promoviert. Keiner kommt aus einem Akademiker Haushalt. Wir mussten uns beide durchkämpfen, aber wollten es auch, weil für uns die Promotion das Ziel war, was für uns einfach Sinn machte. Ein Master, oder gar ein Bachelor war unbefriedigend und war auch nicht das, was uns den Karriereweg geöffnet hätte den wir nun jetzt endlich verfolgen können. Wir arbeiten beide im mittleren Management zweier namenhaften Chemieunternehmen. Und sofern Deutschland als Standort überhaupt noch attraktiv für die chemische Industrie bleiben sollte, wollen wir auch weitermachen und unseren Verantwortungsbereich weiter ausbauen. Weil alles andere für uns nicht erstrebenswert ist. Wir wollen Verantwortund übernehmen. Ja damit kommt dann auch das entsprechende Jahresgehalt zustande. Wir sind nun 35 Jahre alt. Die biologische Uhr ist erbarmungslos, und Famielienplanung aktueller denn je. Während des Studiums war an Kinder nicht zu denken. Wie denn auch bei 10 Stunden Vorlesungen und Praktika am Tag plus zusätzlich Nach- und Vorbereitung plus Klausurstress. Nach der Promotion wollte man auch ins Berufleben einsteigen, weil man dafür 8-10 Jahre gekämpft hat. Studienkredite und Bafög sind zum Glück nun abbezahlt. Bekommen wir kein Elterngeld haben wir 3800 EUR netto zur Verfügung. Minus Miete 2300 EUR (Werksnähe ein zwangsläufiges Muss!), Fixkosten Lebensmittel kommen wir dann auf Null raus. Ich verdiene ca. 1000 EUR Netto mehr im Monat, deswegen würde es finanziell Sinn machen, wenn ich nicht in Elternzeit ginge. Das bricht mir einfach das Herz denn ich will als Mutter bei meinem Kind sein, vor allem in den ersten paar Monaten!!!
In der Diskussion ist für mich die Rücklagenseite vollkommen irrelevant, denn wie übergriffig ist es zu entscheiden, wann jemand genug Geld zurücklegen hätte können (Vermögen aufbauen) einzig und alleine basierend auf dem Haushaltseinkommen?? Die real mögliche Sparrate ist höchstindividuell. Und selbst wenn. Wenn jemand diszipliniert spart um finanzielle Unabhängigheit zu erlangen ist das sein Recht. Und andersherum hat auch niemand zu sagen, man hätte nicht genug Rücklagen um Kinder zu bekommen. Was jedoch fix ist ist die Abgabe unserer Einkommen an den Staat. Bis zum Renteneintrittsalter ergibt dies eine schöne Summe im siebenstelligen(!) Bereich bei gleichbleibender Leistung. Aber wie gesagt, wir wollen mehr leisten. Das treibt uns an und motiviert uns jeden Tag. Und Leistung soll damit bestraft werden, dass nun in vergleichbar jungen Jahren nicht einmal 1800EUR mtl. Elterngeld zusteht. Ein bisschen mehr als 20K EUR im Jahr? Das ist Willkür. Es ist Substanzlos und es ist absolut realitätsfern. Kinder muss man sich leisten können? Dann muss sich Leistung auch noch lohnen! Denn andere Länder die wesentlich Industriefeundlicher sind werden immer präsenter. Mit dem Brain Drain entgehen dem Staat dann auch zusätzlich noch die Einnahmen.

Gez. zwei promovierte Chemiker
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