Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Menstruationsprodukte bundesweit kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Begründung
Menstruation ist ein natürlicher Vorgang, der rund die Hälfte der Bevölkerung im gebärfähigen Alter betrifft. Dennoch tragen ausschließlich die Betroffenen die finanziellen Kosten für notwendige Hygieneprodukte. Binden, Tampons oder Menstruationstassen sind aber keine Luxusartikel, sondern medizinisch notwendige Produkte der Grundversorgung. Dass diese nicht generell kostenlos zur Verfügung stehen, führt zu struktureller Benachteiligung und sozialer Ungleichheit.
1. Gesundheitliche Aspekte
Ohne regelmäßigen Zugang zu geeigneten Menstruationsprodukten besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen und gesundheitliche Komplikationen. Manche Betroffene nutzen aus Kostengründen Produkte deutlich länger als empfohlen oder greifen auf unsichere Alternativen wie Toilettenpapier oder Stoffreste zurück. Dies kann zu Entzündungen, zum Toxic Shock Syndrome oder langfristigen gesundheitlichen Schäden führen. Kostenlose Verfügbarkeit ist daher nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch des öffentlichen Gesundheitsschutzes.
2. Finanzielle Belastung und Periodenarmut
Die durchschnittlichen Kosten für Menstruationsprodukte liegen in Deutschland zwischen 80 und 180 Euro jährlich pro Person. Für Menschen mit geringem Einkommen, Auszubildende, Studierende oder Alleinerziehende ist dies eine spürbare Belastung. Besonders stark betroffen sind obdachlose Frauen und Mädchen sowie Menschen in prekären Lebenslagen. Periodenarmut ist auch in Deutschland Realität und bedeutet, dass Betroffene keinen sicheren Zugang zu Hygieneprodukten haben. Dies verstärkt soziale Ungleichheit.
3. Gleichberechtigung und Teilhabe
Während viele Gesundheitskosten solidarisch über Krankenkassen getragen werden, müssen menstruierende Menschen ihre Grundversorgung selbst bezahlen. Dies ist eine strukturelle Ungerechtigkeit, die das Prinzip der Gleichbehandlung verletzt. Bildung und Teilhabe sind ebenfalls betroffen: Schülerinnen und Studentinnen berichten, dass sie dem Unterricht fernbleiben, wenn sie keine Menstruationsprodukte haben. Kostenfreie Verfügbarkeit sichert damit auch Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
4. Internationale Beispiele
Andere Länder haben bereits bewiesen, dass kostenlose Menstruationsprodukte praktisch umsetzbar sind. Schottland hat 2020 als erstes Land Menstruationsprodukte generell kostenfrei gemacht – jede Person kann sie ohne Hürden erhalten. Auch Neuseeland und Frankreich haben ähnliche Schritte unternommen, etwa die kostenlose Bereitstellung für Schüler*innen oder in öffentlichen Einrichtungen. Deutschland sollte hier nicht zurückstehen, sondern seiner Verantwortung gerecht werden.
5. Umsetzungsmöglichkeiten
Die Umsetzung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen:
• Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen Krankenkassen (analog zu anderen medizinischen Grundversorgungsleistungen).
• Kostenfreie Abgabe in Apotheken und Drogerien.
• Ausstattung öffentlicher Einrichtungen mit Spendern, die anonym und barrierefrei zugänglich sind.