Herzlich Willkommen auf den Internetseiten des Petitionsausschusses des deutschen Bundestages. Jedermann hat die Möglichkeit, Bitten oder Beschwerden an den Deutschen Bundestag zu richten.

Um direkt zu entsprechenden Bereichen zu springen verwenden Sie die Sprungmarken wie folgt:

Auf dem Bild sehen Sie ...

Petition 190605

Außenpolitik

Aufarbeitung historischer Unrechtshandlungen im Rif-Krieg (1921 – 1926) vom 16.11.2025

Text der Petition

Mit der Petition wird die Aufarbeitung deutscher historischer Unrechtshandlungen im Rif-Krieg (1921 – 1926) gefordert. Klare Benennung des Unrechts: Es geht darum, die Zusammenarbeit klar als einen Verstoß gegen damalige Kriegs- und Völkerrechtsnormen zu benennen und sie aus der Grauzone der "geheimen Geschäfte" zu holen.

Begründung

Im Rahmen der Aufarbeitung historischer Unrechtshandlungen und der Stärkung der deutsch-marokkanischen Beziehungen wende ich mich an Sie, um ein lange vernachlässigtes Kapitel der gemeinsamen Geschichte anzusprechen: den Einsatz chemischer Waffen durch spanische und französische Kolonialtruppen im RifKrieg (1921-1926) und die Beteiligung deutscher Stel-len.

Wie historische Quellen und Forschungen belegen, war ein deutscher Chemiker maßgeblich an der Bereitstellung dieser verbotenen Kampfstoffe beteiligt. Die im niedersächsischen Munsterlager (Breloh) betriebene Kampfstoffverwertungsanstalt lieferte die chemischen Waffen an Spanien.
Diese geheime deutsch-spanische Zusammenarbeit diente explizit dem Zweck, die Beschränkungen des Versailler Vertrags zu umgehen.

Der Einsatz dieser Waffen gegen die Zivilbevölkerung und Kämpfer der Rif-Republik stellte ein schweres Kriegsverbrechen und einen Verstoß gegen damals bereits geltende völkerrechtliche Normen (z. B. die Haager Landkriegsordnung) dar. Die langfristigen humanitären, ge-sundheitlichen und ökologischen Folgen für die Region sind bis heute spürbar.

Vor diesem Hintergrund appelliere ich an die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland, sich dieser historischen Mitverantwortung zu stellen:
1. Anerkennung der historischen Tatsachen: Eine klare und offizielle Anerkennung der Beteiligung deutscher Wissenschaftler und Unternehmen an der Bereitstellung von chemischen Waffen für den Rif-Krieg ist ein überfälliger Schritt.

2. Förderung der wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Aufarbeitung: Die Thematik sollte in der deutschen Erinnerungs- und Forschungslandschaft stärker verankert werden. Die Förderung von bilateralen Forschungsprojekten, wissenschaftlichen Konferenzen und öffentlichen Diskussionsforen zwischen deutschen, marokkanischen, spanischen und französischen Historikern ist essenziell.

3. Unterstützung für die Opfer und die Region: In Anbetracht der bis heute andauernden Folgen sollte Deutschland sich für Hilfsprogramme zur medizinischen Rehabilitation, zur Räumung von Blindgängern und zur ökologischen Sanierung der betroffenen Gebiete im Rif-Gebirge engagieren oder diese unterstützen.

Die kritische Auseinandersetzung mit dieser historischen Mitverantwortung ist keine Schuldzuweisung an heutige Generationen, sondern ein notwendiger Akt der Wahrheit und Versöhnung. Sie dient der Stärkung des Völkerrechts, der Menschenrechte und einer auf gegenseitigem Respekt basierenden Partnerschaft mit dem Königreich Marokko.

Ich bitte Sie nachdrücklich, sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten für diese Anliegen einzusetzen.

Startbeitrag für neuen Diskussionszweig schreiben