Text der Petition
Der Bundestag möge die Nationale Wasserstoffstrategie für Blauen (CCS) und Türkisen (Pyrolyse) Wasserstoff öffnen, um globale Erdgasreserven quellnah zu dekarbonisieren. Gefordert sind strenge Qualitätsstandards und die aktive Nutzung von Artikel 6.4 (Pariser Abkommen), um Veredelungsanlagen in Förderländern über UN-Zertifikate zu finanzieren. Dies sichert kurzfristig notwendige Importmengen, senkt Kosten und stärkt deutsche Technologieexporte.
Begründung
1. Das Realitäts-Dilemma: Veredelung statt Verbrennung
Die globale Energiewende verfehlt ihre Ziele, wenn wir die weltweit gigantischen Erdgasreserven weiterhin konventionell verbrennen. Ein rein nationaler Fokus auf „Grünen Wasserstoff“ reicht mengenmäßig nicht aus, um die deutsche Industrie zu versorgen.
Deutschland muss seine Importmacht nutzen, um einen Paradigmenwechsel zu erzwingen: Weg vom Import fossiler Brennstoffe, hin zur „quellnahen Veredelung“. Wir dürfen Erdgas nur noch importieren, wenn der Kohlenstoff bereits im Förderland abgeschieden (Blau/CCS) oder fest gebunden (Türkis/Pyrolyse) wurde.
2. Technologieführerschaft und Effizienz: Die Chance „Türkis“
Die Methanpyrolyse bietet eine überragende Effizienz. Studien (u.a. Fraunhofer/KIT) belegen, dass zur Herstellung von 1 kg Wasserstoff mittels Pyrolyse nur ca. 10–13 kWh Strom benötigt werden – im Vergleich zu ca. 50–55 kWh bei der Wasserelektrolyse.
Angesichts knapper erneuerbarer Strommengen ist es fahrlässig, diesen Effizienzvorteil (Faktor 4-5) regulatorisch zu blockieren. Zudem entsteht fester Kohlenstoff als Wertstoff (für Batterien, Baustoffe) statt klimaschädlichem CO₂-Gas.
Deutschland ist bei den notwendigen Reaktoren Technologieführer. Eine Öffnung der Strategie ist daher massive Industriepolitik für den deutschen Anlagenbau.
3. Finanzierung durch das Pariser Abkommen (Artikel 6.4)
Die notwendigen Milliardeninvestitionen in Veredelungsanlagen im Globalen Süden können nicht allein durch deutsche Steuergelder (H2Global) getragen werden.
Diese Petition fordert die strategische Nutzung von Artikel 6.4 des Pariser Abkommens. Wenn Deutschland technische Kohlenstoff-Entnahmen (CCS und Pyrolyse-Kohlenstoff) als hochwertige Emissionsminderungen unter UN-Aufsicht anerkennt, werden diese Projekte international refinanzierbar.
Der globale Kohlenstoffmarkt zahlt dann für den Klimaschutz, nicht der deutsche Steuerzahler. Dies macht Klimaschutz für Gas-Förderländer zum Geschäftsmodell.
4. Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit
Experten rechnen vor, dass die Subventionierung von Grünem Wasserstoff etwa 50 % teurer ist als die von Blauem/Türkisem Wasserstoff. Bei einem Bedarf von hunderten TWh sprechen wir über zweistellige Milliardenbeträge an Mehrkosten, die an anderer Stelle (Bildung, Infrastruktur) fehlen.
Technologieoffenheit spart dem Bundeshaushalt Milliarden und sichert durch Diversifizierung die Unabhängigkeit von einzelnen Lieferanten.
5. Keine Kompromisse bei Standards
Die Importe müssen strengste Kriterien erfüllen:
- Vorkette: Satellitengestützte Überwachung von Methanleckagen (< 0,2 %).
- CCS (Blau): Abscheideraten > 90 % und Nachweis dauerhafter Speicherung.
- Pyrolyse (Türkis): Zertifizierter Verbleib des Kohlenstoffs (keine Verbrennung).
Fazit
Wir brauchen eine Wasserstoffstrategie, die Physik und Ökonomie über Ideologie stellt. Durch die Einbindung von Blau und Türkies sichern wir das Klima global, die Versorgung national und die Technologieführerschaft industriell.