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Petition 205979

Demokratieförderung

Modellversuch für eine demokratische Dialog- und Antwortstruktur nach PSI-21 (Politik-Schule-Internet) vom 03.08.2026

Text der Petition

Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, mit Ländern, Kommunen, Schulen, Jugendhilfe, Wissenschaft und Jugendvertretungen einen Modellversuch für eine demokratische Dialog- und Antwortstruktur nach PSI-21 (Politik-Schule-Internet) zu entwickeln.

Begründung

Politische Bildung behandelt Jugendliche bisher überwiegend als Empfänger von Wissen und Werten. Das reicht nicht, wenn Demokratie im Aufwachsen nicht als mitgestaltbarer Kulturraum erfahren wird.

Soziale Bindung entstand evolutionär in überschaubaren Gruppen durch wiederholtes gemeinsames Handeln. Moderne Gesellschaften umfassen Millionen Unbekannter; diese Bindung überträgt sich nicht automatisch auf Staat oder Kommune. Unter Unsicherheit treten Abgrenzung und Misstrauen in den Vordergrund.

Die Pubertät verändert soziale Orientierung: Gleichaltrige und Anerkennung gewinnen an Bedeutung, Jugendliche sind besonders empfänglich für soziale Erfahrungen. In dieser Phase gleichen sie ihre Herkunftskultur mit Peer-Kulturen ab. Diese Neubindungsbereitschaft wird derzeit stark von kommerziellen Plattformen und identitären Gruppen angesprochen, während der demokratische Zusammenhang abstrakt bleibt.

Eine anerzogene Demokratie macht Jugendliche zum Objekt pädagogischer Einwirkung. Eine selbst angeeignete Demokratie eröffnet reale Entscheidungen, gleichberechtigten Dialog und institutionelle Wirksamkeit.

PSI-21 schafft kleingruppenförmige Erfahrungsräume mit demokratischer Metaebene: Jugendliche unterschiedlicher Herkunft bearbeiten eine gemeinsame Frage, entwickeln Lösungen und erhalten eine begründete Antwort der zuständigen Institution. So kann Zugehörigkeit entstehen, die nicht auf Gleichförmigkeit oder einem gemeinsamen Feind beruht, sondern darauf, gemeinsam Wirklichkeit gestalten zu können.

Der Staat verfügt über umfangreiche Strukturen für eskalierte Konflikte, aber wenig institutionalisierte Räume, in denen demokratische Konfliktfähigkeit vor der Eskalation eingeübt wird. PSI-21 soll prüfen, ob dialogische Handlungsfähigkeit ebenso systematisch kultiviert werden kann wie koordiniertes Handeln unter Stress.

Voraussetzung ist eine institutionelle Antwortpflicht: Zuständige Stellen sollen Anliegen entgegennehmen, Entscheidungen begründen und den Bearbeitungsweg sichtbar machen. Erst diese Rückkopplung unterscheidet demokratische Selbstwirksamkeit von symbolischer Beteiligung.

Der Modellversuch soll mindestens drei Bundesländer einbeziehen und untersuchen, ob wiederkehrende dialogische Regel- und Lösungsbildung demokratische Zugehörigkeit, Vertrauen, Konfliktfähigkeit und die Bindung an rechtsstaatliche Verfahren stärken kann.

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