Text der Petition
Mit der Petition wird eine grundlegende Reform der Werkstätten für behinderte Menschen gefordert: ein faires, existenzsicherndes Entgeltsystem, stabile Einkommen ohne Kürzungsrisiko sowie bessere Chancen und Übergänge in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Begründung
Der Deutsche Bundestag wird aufgefordert, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) grundlegend zu reformieren und ein faires, existenzsicherndes sowie zukunftsfähiges Entgeltsystem einzuführen. Für viele Menschen mit Behinderung gibt es kaum Alternativen zur Beschäftigung in einer Werkstatt. Zwar bekennt sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zu Reformen, etwa zur Verbesserung des Werkstattentgelts, doch diese Ziele werden bislang nicht ausreichend umgesetzt. Weder zeigen sich spürbare Verbesserungen bei den Einkommen noch verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten. Die Entgeltsituation ist besonders problematisch: Die Löhne sind niedrig, nicht stabil und können sogar sinken. Ein Inflationsausgleich fehlt trotz steigender Lebenshaltungskosten. Viele Beschäftigte sind daher dauerhaft auf Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld angewiesen, was mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden ist und von Betroffenen oft als entwürdigend empfunden wird. Zudem belastet die Kopplung von Grundbetragserhöhungen an BAföG-Erhöhungen die Werkstätten finanziell, da sie die Mehrkosten selbst tragen müssen. Dies erhöht den Druck auf die Entgelte und sollte beendet werden. Auch die bereits vorliegende Entgeltstudie der Bundesregierung hat bislang zu keinen spürbaren Verbesserungen geführt. Die Beschäftigten fordern keine Abschaffung der Werkstätten, sondern deren Weiterentwicklung unter fairen und nachhaltigen Bedingungen. Dazu gehören mehr Rechte, ein verlässliches Entgeltsystem und Schutz vor Einkommenskürzungen. Ziel muss es sein, die finanzielle Situation deutlich zu verbessern und echte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Gleichzeitig muss die gleichberechtigte Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt gestärkt werden. Derzeit gelingt der Übergang aus Werkstätten nur selten. Deshalb braucht es bessere Durchlässigkeit zwischen WfbM, Inklusionsbetrieben und dem allgemeinen Arbeitsmarkt, eine stärkere Arbeitsmarktorientierung im Berufsbildungsbereich sowie attraktivere Förderinstrumente wie das Budget für Arbeit. Auch die Vereinten Nationen haben Deutschland wiederholt zu Reformen aufgefordert. Es ist an der Zeit, diese endlich umzusetzen und Werkstattbeschäftigten faire Chancen und Perspektiven zu bieten.
Auch ich kenne Leute, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten.
Sie arbeiten im Reifendienst, Fahrradreparatur, in den Büros der Werkstätten, produzieren wunderschöne Holzspielsachen, die dann in der Stadt verkauft werden in sehr schönen Läden. Es gibt zwei solche Läden in der Stadt, in denen man solche produzierten erstklassigen Holzarbeiten unterschiedlichster Art kaufen kann.
Sie arbeiten in den Arbeitsbereichen Metall- und Aluminiumverarbeitung, Schweißen, Textilverarbeitung, Mailingaktionen, Industriemontage und Verpackung, im Gebäudemanagement und Grundstückspflege, in einem Café das ausschließlich diese Menschen beschäftigt und anderen Restaurants etc.
Das Arbeiten dient auch definitiv der Steigerung des Selbstwerts, verbessert das Selbstmanagement, es kann Depression stoppen, zumindest zeitweise, und kann die Selbstwirksamkeit verbessern, so dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sich stabilisiert und das setzt Energie frei wie so mancher von uns auch wissen wird. Man lernt so auch leichter. Dennoch, manche schaffen es tatsächlich, auch im Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Doch das System (Werkstätten - Abhängigkeit von Förderungen - Arbeitgeber) muss geändert werden, weil die Leute auch deswegen darin gefangen sind. Dadurch entsteht ein Teufelskreis für alle Beteiligten. Doch das kann und darf nicht zu Lasten der gesundheitlich behinderten Menschen geschehen. Durch die eigene Arbeit genug Geld zu verdienen, dass man davon leben kann, verdient wenigstens den Mindestlohn. Arbeitgeber bzw. Firmen, die sich das jederzeit leisten können, sollten sich entschließen, jemanden fest einzustellen und auf die geldlichen Förderungen verzichten, die sie dafür bekommen könnten.
Die Motivation steigt, je höher die Selbstwirksamkeit greift und je mehr man überzeugt ist, dass die eigene Arbeit auch entsprechend entlohnt wird. Wird jemand in der Spirale der Abhängigkeit und dadurch wachsenden Hoffnungslosigkeit niemals aus dieser Spirale ausbrechen zu können, belassen, und dieses System ist im Moment einfach so, weil sie nicht für ihre Arbeit so entlohnt werden, eigenständig davon leben zu können, hat diese Hoffnungslosigkeit wegen des nicht Freikommens aus dem System auf ewig eine fatale Wirkung. Demotivation und massive Depression können die Folge sein. Niemand hat das verdient, der sich ehrlich und jeden Tag bemüht und arbeitet. Auch dann, wenn er weniger leisten kann als andere. Das Erleben, für sich selbst sorgen zu können und stolz sein zu können auf sich selbst und auf die eigene Arbeit, fördert zudem die Gesundheit. Jeder will eine gut gemachte Arbeit auch entsprechend entlohnt haben, verdient die notwendige finanzielle Anerkennung, nicht als Almosen, nicht als Bürgergeld, sondern als Mindestlohn bis mindestens zur Existenzminimumsgrenze. Und bei Verlässlichkeit und guter Arbeit sind zusätzliche Lohnerhöhungen auch angebracht. Diese gesundheitlichen Verbesserungen zeigen sich sicherlich in unterschiedlichem Ausmaß, je nachdem woran der einzelne von Grund auf leidet.
Und, die Gesellschaft, Arbeitgeber und jeder von uns kann Menschen unterstützen, auch wenn Menschen aus gesundheitlichen Gründen weniger leisten können als andere. Wir alle kennen das, nicht wahr? Wir waren alle mal Babys und brauchten jede Unterstützung bis wir in das Alter kamen, für uns selbst sorgen zu können. Und jeder von uns kann durch einen Schicksalsschlag oder durch Krankheit in eine ähnliche Situation geraten, wenn das auch niemandem zu wünschen ist. Das sollte man bedenken.
Also ja zur Petition.